Bits&Pretzels 2018 – Diversity oder nicht?

Auch in diesem Jahr hatten wir mit shipcloud wieder einmal die Chance, an der Bits&Pretzels Konferenz teilzunehmen. Dem selbsternannten „Founders Festival“ in München, welches aus 2 Tagen Konferenz und einem Tag Netzwerken auf der Wiesn besteht. Um es schon vorweg zu nehmen: Ja, da wird wirklich Networking auf der Wiesn betrieben, auch wenn man es sich beim Oktoberfest nur schwer vorstellen kann. Für dieses Jahr hatten sich die Veranstalter bereits frühzeitig für das Motto „Diversity“ entschieden. Wohl unwissend, dass kurz nach dem Ende der 2017er Ausgabe der Konferenz eine riesige Bombe einschlagen würde.

Wenige Tage nach dem Ende der Bits&Pretzels 2017, auf welcher wir mit shipcloud das erste Mal aus Aussteller dabei waren, wurden die Skandale um Kevin Spacey bekannt. Dieser war in 2016 und 2017 als Speaker dabei und noch wenige Tage zuvor hatte man ihn quasi als vierten Veranstalter dazu gewinnen können. Eine Nachricht, die man auf der Konferenz noch groß bekannt gab. Nur um diese Entscheidung nach wenigen Tagen wieder revidieren und sich vom Schauspieler distanzieren zu müssen.

So kam es, dass „Diversity“, das Motto der Bits&Pretzels 2018, natürlich mit Argusaugen betrachtet wurde. Und die Veranstalter gaben sich alle Mühe hier ihr Bestes zu geben. Schon die Inspirierende und wachrüttelnde Keynote von Tarana Burke, der Gründerin hinter der MeToo-Bewegung, versuchte den Ton der Konferenz ganz gut zu setzen. Man hatte versucht alle Örtlichkeiten außerhalb der eigentlichen Messe für Rollstuhlfahrer nutzbar zu machen bzw. diese so ausgesucht, dass Rollis möglichst wenig Hürden überwinden mussten. Es gab einen Room of Silence und die Anzahl der Speakerinnen war im Vergleich zu einige anderen Veranstaltungen in unserer Techbranche ganz ok.

Dennoch muss man sich natürlich einige Kritik gefallen lassen, wenn man als Veranstalter ein solches Thema aufgreifen und vorantreiben möchte. Mir ist klar, dass dieses Feld unendlich lang ist und man nicht alle Personen und Umstände berücksichtigen kann. Dennoch hier ein paar Dinge, die mir persönlich aufgefallen sind und die man ggf. hätte beachten können:

  • Es gab keinen Code of Conduct und daher auch keine Kontaktperson bzw. Institution die einem Verstoß gegen diesen nachverfolgen könnte
  • Transkription für schwerhörige bzw. taube Menschen wäre super gewesen, weil es auch dem hörenden Publikum das Folgen der Speaker einfacher macht
  • Das Essen hat wenige Optionen für Vegetarier bzw. Veganer geboten
  • Man konnte immer noch viel zu wenige Frauen als Sprecherinnen vorweisen/begeistern
Tarana Burke, die Gründer der #MeToo-Bewegung

Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich dieser Event für jeden Founder bzw. jedes Startup lohnt. Bei den Speakern konnte man erneut mit internationalen und deutschen Namen punkten, auch wenn man aus einigen Reihen hören musste, dass es sich bei den deutschen Vortragenden wieder einmal um die gleichen Sprecher bzw. Startups handelte, wie schon in den Jahren zuvor und man hier auch mehr Abwechslung hätte einfließen lassen müssen. 

Ich hatte z.B. das Glück dem Talk „How to write the script for the future“ von Joel Spolsky (hier ein SketchNote von VerVieVas zu seinem Talk) beizuwohnen. Vielen dürfte er als der Gründer hinter Stackoverflow bekannt sein und er hat einen sehr interessanten Einblick in das gegeben, was Stackoverflow und seine Nutzer so ausmacht. Wer hätte gedacht, dass der Top-Nutzer bei Stackoverflow bereits so viele nützliche Antworten gegeben hat, dass er jedem Entwickler auf der Welt quasi 5 Stunden kostbarer Zeit geschenkt hat, weil man nicht selber eine Lösung für sein Problem entwickeln musste?!?

Joel Spolsky auf der Bits & Pretzels 2018

Sicherlich muss man aus dem riesigen Angebot an Talks die für sich interessantesten Themen herausfinden und im Vorfeld priorisieren, aber ich denke jeder kann hier als neuer oder auch alt eingesessener Founder einiges mitnehmen. Neben den Vorträgen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit den anderen Teilnehmern in Kontakt zu treten und sein wissen auszutauschen. Sei es durch die vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Matchmakings, dem schnellen Austausch auf dem Gang oder beim Mittagessen, oder den zahlreichen Events außerhalb der Messehallen, wie z.B. der StartupNight oder der offiziellen Party am Samstag. Möglichkeiten sich zu vernetzen gibt es zu genüge.

Auch für uns als shipcloud war die Konferenz wieder ein Erfolg. Haben wir uns doch mit vielen interessanten Menschen austauschen können und die eine oder andere „Business Opportunity“ an unserem Stand und bei den vielen Gesprächen während der Konferenz ausloten können. Und selbst wenn man als Startup keinen eigenen Stand vor Ort hat lohnt sich ein Besuch, um wieder einmal mit anderen Startups, auch aus anderen Branchen, in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und auf neue Ideen zu kommen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, der kann sich bereits jetzt schon Karten für die Bits & Pretzels 2019 kaufen. Vielleicht sehen wir uns ja dann vor Ort.

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