eCommerce Future 2018 – Zukunft = Gegenwart?

Ich hatte am 18.10. das Glück, dass ich an der eCommerce Future 2018 in Köln teilnehmen konnte. Einem Event von „eCommerce Rockstar“ Michael Atug und der Firma synaigy, das einen Einblick in die aktuellen Geschehenisse und die Zukunft des Onlinehandels geben wollte und sollte. Ganz getrau nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“, hatte man zu dieser eintägigen Konferenz in das Kölner RheinEnergieSTADION geladen und einige sehr interessante Speaker im Gepäck.

Gleich nach der Begrüßung der Gäste durch die Veranstalter gab Dr. Kai Hudetz vom IFH Institut in Köln einen Überblick über viele Themen, welche die Onlinehändler von heute bewegen. Selbstverständlich steht dort weiterhin ganz oben auf der Liste Amazon als Fluch und Segen zu gleich. Auf der einen Seite hilft der US-Riese dabei, einen einfachen Zugang zu einer großen Kundschaft zu erhalten, aber als Händler geht man immer auch das Risiko ein, ein gut laufendes Produkt an Amazon zu verlieren, wenn dieses sich dazu entscheidet, ein identisches Produkt auf den Markt zu bringen. Aber gerade durch die Einführung des Amazon Echo hat man gezeigt, dass die Zukunft des Onlinehandels an sprachgesteuerten Bestellungen nicht vorbei führt, denn die Akzeptanz, sich ein solches Gerät in die eigenen vier Wände zu stellen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Nach dem Anstieg der Onlineeinkäufe die über das Mobiltelefon getätigt wurden, wird jetzt mit Voice Interfaces wie Amazon Echo und Google Home ein neuer, zusätzlicher Kanal geschaffen, den man sich vor einigen Jahre noch nicht vorgestellt hatte. Aber gerade die starke Verbreitung von „SmartPhones“ ist es, die in den vergangen Jahren einige Geschäftsideen hervorgebracht hat, welche die Offline- mit der Onlinewelt verschmelzen lassen. Ein passendes Beispiel hierfür zeigt Hannes Rogall von easyCredit, der unter dem Motto „Future of Payment“ eine Lanze für den Ratenkauf brechen wollte. Und dies nicht nur, weil sein Arbeitgeber mit ratenkauf by easyCredit (als Sponsor) eine moderne Lösung für das angestaubte Thema entwickelt hat. Es war sehr interessant zu sehen, dass man hier ein Produkt an der Hand hat, welches den Kauf als solches im stationären Handel vereinfacht, gleichzeitig aber auch die Bezahlmethode Ratenkauf sexy macht und mit einer anschließenden Kaufquote von 96% nach Nutzung der hierfür entwickelten App, den Händlern auch noch eine erstklassige Conversion Rate bietet.

Für jemanden wie mich, der sich seit mehr als 20 Jahren im eCommerce Umfeld bewegt, ist der Name eBay natürlich kein neuer. Sind wir doch mit Alando groß geworden, bevor eBay Inc. es gekauft hat und haben uns vom Thrill der Auktionen, bei denen man immer in letzter Sekunde sein Angebot abgab, leiten lassen. Mittlerweile nutzen wahrscheinlich viele User (wie ich) die Sofortkauf-Option. Wer es ein wenig günstiger haben will, ist dann meist bei eBay Kleinanzeigen unterwegs und sucht dort nach den passenden Schnäppchen. Die klassische Auktion fristet mittlerweile quasi ein Nischendasein. Wie man es schon erkennen kann ist eBay inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen. Um nun die neue Generation an Onlineshopper für sich zu begeistern und neue bzw. zusätzliche Absatzmärkte zu generieren, hat man mit der App „Catch by eBay“ ein Produkt auf den Markt gebracht, welches sich an die sogenannten „Young Value Shopper“ richtet. Eine jüngere Zielgruppe die preissensitiv einkauft und aktuell eher beim Platzhirsch Wish zu finden ist. Aber natürlich auch andere Themen wie z.B. den Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat Fritz von Hardenberg in seiner Präsentation mit dem Titel „Die 5 Megatrends im (Online)Handel“ näher beleuchtet.

„Die 5 großen Trends im Online-Handel“

Eine sehr schön erfrischende Präsentation zeigte Dr. Gregor Schrott von der Firma Bosch. Denn im Gegensatz zu den anderen Vortragenden, stellte er uns ein Fallbeispiel vor, welches auf den ersten Blick nicht direkt mit eCommerce in Verbindung gebracht wird, welches aber den B2B-Commerce von Bosch eindeutig verbessert hat. Dr. Schrott stellte eine App aus seinem Bereich vor, die dazu dient, den Support gegenüber von Großkunden zu verbessern. Gerade in der Massenfertigung haben Kunden das Problem, dass jede Minute in denen die Bänder still stehen, massive Kosten verursachen.

Liegt ein Defekt vor, so muss ein Servicetechniker das entsprechende Teil identifizieren, ausbauen und neu bestellen. Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach herauszufinden, wie die genaue Bezeichnung des defekten Bauteils lautet. Um dies zu verbessern, hat das Team bei Bosch eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die innerhalb weniger Sekunden ein Teil anhand von vor Ort gemachten Fotos untersucht und eine Wahrscheinlichkeit angibt, um welches Ersatzteil aus dem Produktkatalog es sich handelt. Doch um diese KI anzulernen benötigt man eine Vielzahl an Daten. Hier im Speziellen sind es Produktfotos aus allen möglichen Winkeln. Damit hier die richtigen Daten vorliegen, hat Bosch auch gleich noch das passende Gerät gebaut, um dies möglichst hohe Zahl an Fotos von einem Ersatzteil in kürzester Zeit zu erzeugen, welches Dr. Schrott anhand eines kurzen Videos ebenfalls vorstellte.

Zum Abschluss der Veranstaltung hat man mit einem Expertenpanel zum Thema „Zukunft der Shopsysteme“ noch einmal die verschiedenen Tendenzen im eCommerce beleuchtet. Und passend dazu hatte man Vertreter von Oxid, Shopware, Intershop, Shopify und Smartstores vor Ort, die ihre Sicht der Dinge versuchten darzustellen. Nicht zuletzt bei der Frage „braucht man zukünftig noch ein (großes) Shopsystem“ entwickelte sich eine rege Diskussion unter den Teilnehmern.

Die Expertenrunde zum Thema „Zukunft der Shopsysteme“

Fazit

Alles in allem war die eCommerce Future 2018 ein gelungener Event, der für viele Teilnehmer sicherlich neue Perspektiven auf den eCommerce von Morgen gezeigt und ihnen die eine oder andere Idee mit auf den Weg gegeben hat. Die Themen waren bunt gemischt und so war sicherlich für jeden etwas dabei. Dennoch muss ich an dieser Stelle ein wenig Kritik üben. Am auffälligsten war, dass alle Speaker männlich gewesen sind. Hier wäre es schön gewesen die eine oder andere weibliche Perspektive auf den Onlinehandel zu hören. Auch in Deutschland gibt es nicht gerade wenig erfolgreiche Frauen im eCommerce! Und damit meine ich nicht unbedingt Social Media Managerinnen, womit wir aber zum zweiten Punkt kommen. Da es kein offizielles Hashtag für Social Media gab, war es schwer, auf diesem Level Informationen auszutauschen.

Leider muss man auch sagen, dass der Zeitplan der Veranstaltung ziemlich straff war. Dies führte dazu, dass der sogenannte „Hallway Track“, also die Gespräche unter den Teilnehmern auf dem Flur, nur gering gefüllt war. Einzig die wenigen Pausen zwischen den großen Blöcken an Talks boten Gelegenheit, sich ein wenig auszutauschen. Das dürfte damit auch ein Problem für die nicht wenigen Aussteller gewesen sein, an deren Stände sich eher selten einer der Teilnehmer verirrte. Und zum Schluss muss ich noch eine Lanze für die Logistik brechen. Klar, Payment wirkt auf den ersten Blick immer als ein schöneres Thema, genau so wie KI und VR, aber mehr als eine kurze Erwähnung von Fritz von Hardenberg in Zusammenhang mit eBay und einem Slide im Talk von Sven Tissen über eine „Zukunft ohne Supermärkte“, konnte man Logistik nicht vorfinden. Schließlich muss jeder Händler die Ware auch irgendwie zu seinen Kunden bringen. Aber freuen wir uns auf eine mögliche eCommerce Future 2019.

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