Heim Automatisierung mit Home Assistant – Teil 1

Heim Automatisierung – ein Oberbegriff, bei dem es viele unterschiedliche Vorstellungen gibt, was dieser bedeuten kann. Für viele Endanwender – gerade jene die weniger technisch versiert sind – reicht es schon, wenn man per App seine Glühbirne ein- bzw. ausschalten kann oder sie eine andere Farbe annimmt. Dies hat zwar in den meisten Fällen nicht viel mit Automatisierung zu tun, aber zumindest finden einzelne mehr oder weniger „smarte“ Geräte ihren Weg in die heimischen vier Wände.

Auch bei uns war das Thema Heim Automatisierung bisher eher Stiefmütterlich abgedeckt. Ja, ich hatte eine FHEM-Instanz auf einem RaspberryPi laufen (erst ein RPi Zero W jetzt RPi 3B+), die hatte aber immer wieder ihre Tücken, weil der RPi bzw. der genutzte CUL nicht ganz stabil liefen. Dennoch – wenn alles lief, dann wurden unsere Rollläden durch entsprechende Regeln für Sonnenauf- bzw. untergang hoch bzw. herunter gefahren, so dass wir nicht jeden einzelnen Rolladen-Schalter separat bedienen mussten, wenn es draußen zu dunkel/hell wurde. Außerdem hat so eine automatische Funktion noch den Vorteil einer vorgetäuschten Sicherheit, denn es ist nicht direkt ersichtlich, ob nun jemand zu Hause ist, da sich die Rollläden eben nicht jeden Tag zum gleichen Zeitpunkt bewegen, sondern es eine Variation gibt.

Doch so richtig anwenderfreundlich ist FHEM nicht, wenn man einmal ehrlich ist. Dies liegt daran, dass dessen Oberfläche selber erst einmal nicht unbedingt die schönste ist und außerdem eher darauf ausgelegt ist, von Technikern genutzt zu werden. Man kann sich zusätzliche Dinge wie FHEM UI oder Tablet UI einrichten und bekommt dann entsprechend angepasste Oberflächen, aber schön wird die ganze Sache dadurch nicht unbedingt sofort. Man muss hier schon einiges an Zeit und Arbeit investieren um ein gutes und vor allem für Nicht-Techniker nutzbares UI erstellen zu können.

Home Assistant – Die Lösung!

Vor einigen Wochen bin ich dann auf Home Assistant gestoßen. Eine Software, die dank vieler Integrationen durch die Community und einzelner Enthusiasten, bereits sehr viel Out-of-the-box anbietet. Um genauer zu sein gibt es aktuell über 1500 vorgefertigte Integrationen. Diese reichen von der Unterstützung einzelner kleiner Sensoren, bis hin zu ganzen Ökosystemen. So werden z.B. auch Technologien (Protokolle) wie Zigbee und Z-Wave direkt unterstützt, um Dinge für die es noch keine offizielle Integration gibt, zumindest theoretisch konfigurier- bzw. nutzbar machen zu können.

Installation

Die Installation von Home Assistant kann auf unterschiedlichste Art und Weise erfolgen. Ich habe mich für die vom Hersteller präferierte Variante entschieden, bei der man sich ein Image herunter lädt, auf eine MicroSD Karte flashed und dann in sein RaspberryPi schiebt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, alles auf einem Intel NUC (i3, i5, i7, i9) laufen zu lassen. Wer ein wenig technischer versiert ist, kann Home Assistant quasi auch auf jedem anderen System zum Laufen bekommen, welches Python unterstützt und genug Power hat. Von der Community gibt es darüber hinaus unterschiedlichste Bestrebungen. So kann man Home Assistant auf seinem Synology NAS laufen lassen, oder auf einem Mac oder oder oder. Ich hatte mir jedenfalls extra einen neuen RPi 4 mit 2GB RAM gekauft. Was auch die offizielle Empfehlung einer Minimalausstattung ist.

Nachdem man das entsprechende Image auf die SD Karte gebracht, in den RPi gesteckt und das System eingeschaltet hat, sucht sich Home Assistant die aktuellste Version der Software, lädt diese herunter und installiert alle nötigen Bestandteile. Sofern der RaspberryPi per LAN-Kabel verbunden ist, geschieht dies völlig automatisch. Ist das Gerät per WLAN verbunden, muss man hier vorher noch ein wenig Konfigurationsarbeit leisten. Der Download und die Installation von Home Assistant dauert dann so ca. 20 Minuten (je nach Internetverbindung). Anschließend kann man Home Assistant dann direkt unter dem Hostname „hassio.local“ bzw. „hassio“ mit der Portnummer 8123 aufrufen (http://hassio.local:8123 / http://hassio:8123).

Einrichtung

Ist das System hochgefahren, so landet der Anwender direkt in einem Konfigurations-Prozess, in dem es direkt möglich ist, grundlegende Einstellungen wie den Namen des „Zu Hauses“, den Ort und die Einheiten (metrisch / empirisch) zu definieren. Ist man hier fertig, so unterzieht Home Assistant das heimische Netzwerk einem Scan, um zu sehen, welche Integrationen dort bereits automatisch zu erkennen sind. Mittels weniger Klicks kann man dann bereits bestehende Produkte – wie z.B. HUE Lampen – in Home Assistant integrieren und sofort in Betrieb nehmen.

Darüber hinaus kann man aber auch eine der mehr als 1500 unterschiedlichen offiziellen Integrationen mit sehr geringer Arbeit direkt in sein System integrieren, sollte man gerade ein neues Gerät gekauft (oder selber zusammen gebaut) haben.

Home Assistant ist so eingestellt, dass die automatisch erkannten Smart Home Geräte auch direkt in der Oberfläche zu sehen sind. Gerade für den Anfang ist dies super. Wer aber die volle Power des Systems und vor allem des User Interfaces nutzen möchte, kommt nicht um eigene Anpassungen herum. Dazu aber mehr in einem nächsten Post.

Ökosysteme, Sensoren und vieles, vieles mehr

Wenn man von Integrationen in Home Assistant redet, dann schließt dies eine Vielzahl an unterschiedlichen IoT-Geräten ein. Dies startet bei so einfachen Dingen wie simplen, binären Sensoren – „Ist die Steckdose an?“, „Kommt ein Signal an einem GPIO Pin an?“ – über „schlaueren Sensoren“ für Licht, Regen, Luftqualität usw. und geht bis zu komplexen Ökosysteme wie Philips HUE, Sonos und Co. Man kann auf seine Überwachungskameras zugreifen und deren Stream in der Oberfläche anzeigen, Kalender prüfen, Videos abspielen, das Wetter checken oder seine Reisezeit zur Arbeit vorhersagen lassen.

Ausblick – Inspiration durch öffentliche Konfigurationen

Aktuell bin ich selber noch am Anfang der Einrichtung unseres Home Assistant Systems, aber bereits nach wenigen Stunden Herumprobieren und Konfigurieren, sieht das ganze jetzt sehr vielversprechend aus. Gerade wenn man sich in der Home Assistant Community ein wenig umsieht, kann man sehr viel Inspiration für die eigene Umsetzung finden. Denn nicht nur ist Home Assistant völlig Open Source. Die Community veröffentlicht ihre Konfigurationen des eigenen Home Assistant Systems frei im Internet, so dass man sich direkt anschauen kann, „wie es die Anderen so machen“. Ich habe mir hier auch schon einiges an Inspiration geholt und wenn ich mein erstes Setup soweit fertig habe, will ich unsere Konfiguration ebenfalls als öffentliches Repo zur Verfügung stellen.

In den nächsten Artikeln zu Home Assistant wird es um einige erste Schritte und Fallstricke in der Einrichtung von Home Assistant gehen. Ich werde ein paar Beispiele von Integrationen zeigen, die es schon gibt und die ich bereits ausprobiert / eingebaut habe, aber auch wie man die Oberfläche anpasst und Automatisierungen einrichtet.

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