WordCamp Retreat Soltau

Barcamps gibt es mittlerweile fast wie Sand am Meer, so dass dieses Format der Unkonferenz eigentlich keine Erklärung mehr benötigt. Ich hatte dank meines Arbeitgebers (shipcloud.io) vom 03.05. – 06.03.2018 die Chance, das WordCamp Retreat in Soltau zu besuchen, da wir als Bronze Sponsor das Event unterstützt haben. Eine Konferenz der WordPress-Community, die das normale Barcamp-Format der WordCamps bewusst etwas anderes interpretieren wollte. Eines gleich vorweg – die Idee ist vollkommen aufgegangen und hat mir und den anderen Teilnehmern ein sehr schönes, informatives, aktives und interessantes (verlängertes) Wochenende beschert, bei dem man wieder einmal stark mit der Community in den Kontakt kam und gleichzeitig einiges lernen konnte.

Tag 1

Die meisten Teilnehmer reisten (wie ich) bereits am Donnerstag den 03.05. an und nutzten den ersten Abend, um sich schon einmal bei Buffet und Getränken (für Selbstzahler) auszutauschen. Der erste richtige Konferenztag begann dann direkt mit einer Idee, die ich bereits vom eurucamp kannte und schätzen gelernt habe. Die Teilnehmer wurden schon im Vorfeld dazu aufgerufen, eigenen Aktivitäten zum Retreat beizusteuern. So startete der erste Konferenztag für mich quasi bereits um 8 Uhr in der Früh, sportlich. Mit einer recht starken Teilnehmerzahl für den Morgenlauf ging es in den nahegelegenen Wald zum Joggen. Zwei Guides hatten sich bereiterklärt uns zu leiten, so dass für jeden Teilnehmer die passende Geschwindigkeit dabei war. Eigentlich wollten wir aus organisatorischen Gründen nur bis zu 40 Minuten unterwegs sein, doch am Ende war es dann eine knappe Stunde, die wir bei einem recht guten Tempo nutzten. Hieraus ergab sich allerdings die Herausforderung, dass wir nach dem Duschen kaum Zeit für’s Frühstück hatten. So musste ich die ersten Minuten der Eröffnungszeremonie (leider) auslassen, um den Tank erneut zu füllen und gestärkt in den Tag zu starten.

Auch nach der Eröffnung ging es Barcamp untypisch weiter, denn der erste Tag war bereits mit Vorträgen gefüllt, die im Vorfeld von den Organisatoren ausgesucht wurden. Es gab jeweils 2 Slots am Vormittag und Nachmittag von einer Stunde und 3 Tracks parallel, so dass für jede der Teilnehmerinnen etwas dabei gewesen sein sollte. Ich hatte mich bereits vor der Fahrt nach Soltau ein wenig schlau gemacht und mir daher als erstes den Talk „The Hitchhiker’s Guide to the WordPress Coding Standards“ (Slides | Video) von Thorsten Frommen angehört, aus dem ich unter anderem einiges für meine/unsere alltägliche Arbeit bei shipcloud und unserem shipcloud for WooCommerce Plugin herausnehmen konnte.

Der zweite Talk war dann“WordPress im Konzern – Über Corporate Blogs und digitale Spielwiesen“ von Jan-Peter Lambeck, der einen Einblick in die teils recht unterschiedliche Nutzung von WordPress als Corporate Blog gab und gezeigt hat, was Firmen mit einem recht großen Budget beim Erstellen und Betreiben des eigenen Blogs machen können. Nach dem reichhaltigen Mittagessen habe ich mich dann noch in die Vorträge „Hole das Beste aus deinen Bildern raus: WordPress Image Workflow optimieren“ (Video) von Marvin Kronenfeld und „Wie man Themes und Plugins weniger schlecht entwickelt“ (Video) von Heiko Mamerow gesetzt.

Zwischen 16 und 19 Uhr war dann wieder Zeit für Aktivitäten eingeräumt und die Teilnehmer konnten hier aus einer Vielzahl an Möglichkeiten wählen. Für Musiker und Zuhörer (wie mich) gab es eine Jam Session, andere nutzten das schöne Wetter, um sich ein wenig sportlich zu betätigen und wieder andere versuchten, die beste Strategie beim Lösen von Rubix Cubes zu erarbeiten. Im Anschluss wurde das Abendessen zu sich genommen. Allerdings mussten wir uns beeilen, denn bereits um 20 Uhr gab es eines der Highlights des WordCamp Retreat, denn Hans-Helge Bürger hatte die zweite Ausgabe des „WP Quiz – Ich stell hier die Fragen“ veranstaltet (Video). Dank großartiger Orga mit Jingle und Lightshow kam hier eine erstklassige Gameshow-Atmosphäre auf.

Tag 2

Auch am zweiten Tag gab es wieder ein Novum, denn nach dem Frühstück startete die Contribution Time des WordCamp Retreat Soltau. Anders als bei den „normalen“ WordCamps fand der Contribution Day somit nicht vor bzw. nach dem eigentlichen Event statt, sondern war genau in der Mitte. Dies hatte den Vorteil, dass die Menge der Teilnehmer recht groß war, da man sich ja eh schon vor Ort befand und somit die Zeit ein wenig produktiv nutzen konnten. Nachdem sich die einzelnen Contribution Teams durch ihre Leader kurz vorgestellt hatten, konnten sich die Teilnehmer auf eben jene Teams verteilen und hatten von nun an knapp 2 Stunden Zeit, um der WordPress Community ein wenig zurück zu geben. Ich war eigentlich davon ausgegangen, mich dem Community Team anzuschließen, um ein wenig mehr Einblick in eben jene zu bekommen, doch als Udo Meisen einen Aufruf beim Support-Team und insbesondere zum Thema WooCommerce startete, war mir klar, dass hier meine Hilfe noch mehr benötigt werden würde.

Um 12:15 Uhr war der Contribution Block auch schon vorbei und der eigentliche BarCamp-Teil des WordCamp Retreats sollte starten. Zunächst waren 4 Räume für die Vortragsvorschläge der einzelnen Teilnehmer vorgesehen, doch als der Andrang der Themen immer größer wurde, haben sich die Organisatoren spontan dazu entschieden noch 2 zusätzliche Räume zur Verfügung zu stellen. Im Anschluss stand das Mittagessen an und ab 14 Uhr konnte man dann den Barcamp Talks beiwohnen. Ich hatte mir mit „WooCommerce – der unbekannte Platzhirsch“ (Video) von Frank Bültge und die „Story von wort-suchen.de“ zwei Talks ausgesucht, die beide auf ihre eigene Art sehr interessant und informativ waren. Im Anschluss konnte man sich auch am zweiten Tag ab 16 Uhr wieder zahlreichen Aktivitäten widmen und die Zeit bis zum BBQ um 19 Uhr überbrücken.

Tag 3

Nachdem die ersten beiden Tage schon vom Programm unterschiedlich waren, sollte auch der dritte dem in nichts nachstehen. Anstatt vorbereiteter bzw. spontaner Vorträge wurden hier in zwei Slots von je 90 Minuten Workshops zu verschiedenen Themen angeboten. Da ich mich noch mehr mit dem Thema Community beschäftigen will und ein Talk von Robert Windisch von Haus aus schon interessant ist, habe ich mich direkt in „Menschen für die Community begeistern und halten“ gesetzt und konnte so ein wenig erfahren, mit welchen Problemen die WordPress Community in Deutschland so zu kämpfen hat. Gemeinsam wurden einige Ideen erarbeitet, wie man es schaffen könnte, mehr Menschen zum Besuch von Meetups und der aktiven Teilnahme am WordPress-Projekt zu bewegen.

Anschließend habe ich mich in die Session „How to Create Docs that Rocks“ von Kat Christofer gesetzt, die bei Automattic für die komplette Dokumentation von WooCommerce zuständig und die einen Einblick gegeben hat, welche Guidelines sie entwickelt hat, um Dokumentation stringent und aus einer Hand wirken zu lassen. Direkt danach gab es noch mal ein kurzes Mittagessen und schon war ein weiteres großartiges Event zu Ende.

Fazit

Eines muss man gleich vorweg betonen. Beim WordCamp Retreat Soltau hat wirklich alles gepasst. Angefangen bei der Orga, die zu keiner Zeit unstrukturiert wirkte oder hektisch wurde. Es schien, als würde ihnen alles so wie geplant gelingen. Sie haben es wieder einmal geschafft, eine sehr schöne, offene und inklusive Atmosphäre zu schaffen, bei der sich jede der Teilnehmerinnen wohlfühlen konnte. Das Wetter hat an diesem verlängerten Wochenende optimal mitgespielt, so dass die Teilnehmer jede freie Minute an der frischen Luft aktiv oder auch einfach nur zum Entspannen oder für den Austausch untereinander nutzen konnten.

Das Hotel Park Soltau war eine hervorragende Location. Die Technik hat wirklich von vorne bis hinten funktioniert und versucht, den Veranstaltern alles zu ermöglichen, was die sich so haben einfallen lassen. Das WLAN war während der kompletten Zeit konstant erreichbar und hatte gute Durchsätze. Ein Fakt, den man nicht oft genug betonen kann, wenn man sich auf einer Konferenz befindet auf denen viele Entwickler vor Ort sind. Darüber hinaus war das Personal zu jeder Zeit zuvorkommend und freundlich und das Essen war quasi unschlagbar.

Zu guter Letzt soll auch ein großes Lob an die Teilnehmer und vor allem den Organisatoren der zahlreichen Aktivitäten gehen, welche die Veranstaltung erst zu dem gemacht haben, was sie war.

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